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Zentrum fir politesch Bildung - Living Memory

Stimmen bewahren, dem Vergessen entgegenwirken

© Aurélie Costantini

  • Aktionsbereich Erinnerungskultur und Kulturerbe
  • Zeitraum 2025

Mit dem allmählichen Verschwinden der Generation der Überlebenden der Shoah wird die Frage immer dringlicher, wie ihre Erinnerungen bewahrt und in die Zukunft getragen werden können. Die Berichte derjenigen, die Verfolgung, Deportation und Exil erlebt haben, sind unersetzliche Quellen. Sie ermöglichen es, Geschichte zu verstehen und unsere Gegenwart zu reflektieren. Ihr nahender Verlust birgt die Gefahr, dass diese Stimmen verstummen, bevor sie umfassend gesichert wurden.

Vor diesem Hintergrund entstand Living Memory – Une mémoire qui vit, eine Initiative zur Sicherung, Erschließung und Vermittlung von Zeitzeugnissen von Überlebenden der Shoah mit Bezug zu Luxemburg. Getragen vom Zentrum fir politesch Bildung geht sie auf die Begegnung zwischen Blandine Landau, Historikerin und Kuratorin, und Marc Schoentgen zurück, der sich seit vielen Jahren mit Fragen der Erinnerungskultur befasst.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit arbeitete Blandine Landau intensiv mit mündlichen Quellen. Dabei wurde deutlich, dass es auf nationaler Ebene an einem koordinierten Ansatz fehlte, obwohl noch Überlebende in Luxemburg und im Ausland lebten und aktiv zur Forschung beitrugen. Marc Schoentgen teilte diese Einschätzung und setzte sich dafür ein, diese Zeugnisse rechtzeitig zu bewahren. Aus diesem Austausch entstand eine strukturierte Zusammenarbeit.

Zwischen 2024 und 2025 wurden im Rahmen von Living Memory nahezu 60 Interviews in acht Ländern geführt. Parallel dazu wurden mehrere Hundert Zeugnisse systematisch aufbereitet und zugänglich gemacht, die bislang verstreut oder von Luxemburg aus nur schwer einsehbar waren. Die Aufnahmen bilden heute eine wertvolle Grundlage für Forschung, Bildungsarbeit und gesellschaftliche Vermittlung.

Die Initiative richtet sich an ein breites Publikum: Historikerinnen und Historiker, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Gedenkinitiativen sowie Familien und interessierte Bürgerinnen und Bürger, die die Geschichte der Shoah in Luxemburg und darüber hinaus besser verstehen möchten. Die Zeugnisse gehen über ihren rein dokumentarischen Wert hinaus. Sie tragen dazu bei, pädagogische Ansätze zu stärken, kulturelle Projekte zu entwickeln und gesellschaftliche Reflexionen anzuregen.

Ein zentrales Anliegen der Initiative ist die zeitliche Dringlichkeit. Einige der zu Beginn identifizierten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen verstarben, bevor die notwendigen finanziellen Mittel gesichert werden konnten. Vor diesem Hintergrund wurde eine entscheidende Weichenstellung vorgenommen: rasch zu handeln. Eine erste Interviewreihe konnte dank der Unterstützung von Partnern, insbesondere in den Vereinigten Staaten und in Paris, realisiert werden, um wesentliche Zeugnisse rechtzeitig zu sichern.

Zu den prägenden Momenten zählen mehrere bedeutende Begegnungen. In New York verdeutlicht das Gespräch mit Betty Hirschbein, geborene Puderbeutel, 1940 in Luxemburg geboren und Überlebende der Deportationen, die menschliche und historische Tragweite des Projekts. Die Begegnung mit Sal Gorge eröffnete neue Perspektiven und zeigte Potenziale für künftige Entwicklungen in den Bereichen Forschung, Dokumentarfilm und Ausstellungen.

Auch auf individueller Ebene ist die Wirkung deutlich spürbar. Einige Menschen entschieden sich erstmals, ihre Geschichte zu erzählen, teilweise nach Jahrzehnten des Schweigens, oft auch innerhalb der eigenen Familie. In mehreren Fällen stellen diese Aufnahmen heute die einzige dokumentierte Spur ihres Lebens dar. Für ihre Angehörigen werden sie zu einem wertvollen und dauerhaften Vermächtnis.

© Aurélie Costantini

Man kann den Tod nicht besiegen, aber man kann dem Vergessen entgegenwirken.

Marc Schoentgen Zentrum fir politesch Bildung

Die Rückmeldungen sind durchweg positiv, sowohl aus der Öffentlichkeit als auch aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Die Initiative ermöglichte zudem wichtige strukturelle Fortschritte, darunter den Zugang aus Luxemburg zu den Visual History Archives der USC Shoah Foundation. Dadurch wurde die Nutzung der Zeugnisse für Forschung, Bildungsarbeit und Gedenkinitiativen deutlich erleichtert.

Auch wenn der Großteil der Interviews inzwischen abgeschlossen ist, wird die Arbeit in anderer Form fortgesetzt: durch die Einbindung der Zeugnisse in das digitale Shoah Memorial in Luxemburg, durch Bildungsprojekte, Ausstellungen, audiovisuelle Produktionen und wissenschaftliche Forschung. Weitere Bestände gilt es noch zu identifizieren und zugänglich zu machen.

Mit Living Memory geht es nicht allein darum, Erinnerungen zu bewahren, sondern ihnen einen aktiven Platz in der Gesellschaft zu geben. Über das Erinnern hinaus fordern diese Zeugnisse dazu auf, die Gegenwart kritisch zu betrachten und aufmerksam gegenüber Mechanismen der Ausgrenzung und Ablehnung zu bleiben.

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