Ugegraff
Eine oft unsichtbare Realität sichtbar machen
© Aurélie Costantini
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Aktionsbereich Kultur
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Zeitraum 2025
Ugegraff ist ein künstlerisches Projekt, das sich direkt mit häuslicher Gewalt auseinandersetzt – einem Phänomen, das trotz seines Ausmaßes häufig unsichtbar bleibt. Initiiert von dem Künstler Uyi Nosa Odia zielt das Projekt darauf ab, das Publikum durch Kunst mit dieser Realität zu konfrontieren, nicht um zu schockieren, sondern um einen gemeinsamen Raum für Bewusstsein, Austausch und Veränderung zu schaffen.
Der Ausgangspunkt des Projekts ist eine Begegnung. Uyi Nosa Odia tauschte sich mit Menschen aus, die in Luxemburg von häuslicher Gewalt betroffen waren. Ihre direkten und konkreten Berichte führten zu einem Wendepunkt.
Es war keine abstrakte Idee mehr, sondern eine rohe Realität, die sich nicht mehr ausblenden ließ.
Uyi Nosa Odia Künstler
Vor Ugegraff blieb häusliche Gewalt meist auf den privaten Raum beschränkt, schwer zu benennen und noch schwerer offen anzusprechen. Es gab nur wenige Orte, an denen sie öffentlich und zugleich sensibel thematisiert werden konnte. Ugegraff entstand aus diesem Mangel heraus und schafft einen Rahmen, in dem diese Realität sichtbar, geteilt und anders verstanden werden kann.
Im Zentrum steht eine starke künstlerische Geste: Werke werden geschaffen und anschließend bewusst der Zerstörung ausgesetzt, im Rahmen einer öffentlichen Eröffnungsperformance. Diese Zerstörung ist kein Selbstzweck. Sie macht den Kreislauf der Gewalt sichtbar, ihre Brutalität und ihr wiederkehrendes Muster. Das Publikum erlebt diesen Moment oft in einer angespannten Stille, die eine unmittelbare emotionale Reaktion auslöst.
Auf diese erste Phase folgt ein zweiter, ebenso zentraler Schritt: die Rekonstruktion. In Workshops werden die Teilnehmenden eingeladen, die zerstörten Werke frei neu zusammenzusetzen, ohne Vorgaben. Dieser Übergang vom Beobachten zum Handeln verändert die Perspektive. Für einige, insbesondere junge Menschen, wird dieser Akt des Wiederaufbaus zu einem starken symbolischen Moment, der über den künstlerischen Rahmen hinausgeht.
Ugegraff richtet sich bewusst an ein breites Publikum: Familien, junge Menschen, Bürgerinnen und Bürger sowie Personen, die direkt oder indirekt von Gewalt betroffen sind. Während des gesamten Projekts stehen spezialisierte Organisationen wie Femmes en détresse, Esch Égalité Diversité, Vivre Ensemble Interculturel oder eine Vereinigung für Überlebende bereit, um Interessierte zu begleiten und Unterstützung anzubieten.
Die Umsetzung von Ugegraff basiert auf einer starken kollektiven Dynamik. Mehr als fünfzig Künstlerinnen und Künstler sowie Freiwillige waren beteiligt, gemeinsam mit institutionellen und kulturellen Partnern. Die Suche nach einem geeigneten Ort erwies sich als eine der größten Herausforderungen und führte zu mehreren Verschiebungen. Es wurde bewusst entschieden, sich die nötige Zeit zu nehmen, um die inhaltliche Kohärenz zu sichern, auch wenn dies den Zeitplan verlangsamte.
Die Wirkung zeigte sich bereits in den ersten Tagen. Die Eröffnungsperformance löste starke Reaktionen aus, gefolgt von spontanen Gesprächen und persönlichen Berichten, die teilweise erstmals geäußert wurden. Auch die Workshops bestätigten dieses Engagement, ebenso wie die kontinuierliche Mitwirkung der Beteiligten.
Mit Ugegraff wird Kunst zu einem Mittel, ein sensibles Thema direkt anzusprechen und einen Raum zu schaffen, in dem aus Schweigen Sprache werden kann.
Schauen Sie nicht weg. Gewalt existiert, oft ganz in unserer Nähe. Indem wir sie erkennen und darüber sprechen, können wir beginnen, sie zu verändern.
Uyi Nosa Odia Künstler
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