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Deemols – Eis Geschicht(en)

Stimmen bewahren, um Geschichte anders zu erzählen

 

 

© Aurélie Costantini

  • Aktionsbereich Erinnerungskultur und Kulturerbe
  • Zeitraum 2025

Alltägliche Geschichten verschwinden oft, ohne Spuren zu hinterlassen. Hinter den großen historischen Ereignissen sind es genau diese persönlichen Erinnerungen, die Geschichte ihre menschliche Tiefe verleihen. Aus dieser Überzeugung heraus ist das Projekt „Deemols – Eis Geschicht(en)” entstanden.

Initiiert von den Teams des Naturparks Obersauer geht das Projekt auf die Beobachtung zurück, dass zahlreiche Zeugnisse zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, aber auch zu den darauffolgenden Jahrzehnten, im Gedächtnis der Menschen in der Region fortbestehen, ohne systematisch gesammelt oder weitergegeben worden zu sein. Die Initiative weitete sich schnell aus: Es ging nicht mehr nur darum, lokale Erinnerungen zu bewahren, sondern einen Raum auf nationaler Ebene zu schaffen, in dem unterschiedliche Lebensgeschichten sichtbar werden.

Die Zusammenarbeit mit der Organisation GERO, die sich seit vielen Jahren für die Weitergabe kollektiver Erinnerung engagiert, markierte einen wichtigen Wendepunkt. Gemeinsam entwickelten die Partner eine digitale Plattform, um diese Zeugnisse zu sammeln, zu bewahren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Interviews greifen vielfältige Themen auf und decken unterschiedliche Zeiträume ab – vom Zweiten Weltkrieg bis in die Nachkriegsjahrzehnte, insbesondere die 1960er und 1970er Jahre. Sie erzählen von Kindheit, Arbeit, Traditionen und Veränderungen im Alltag und machen eine Form von Erinnerung sichtbar, die in klassischen Archiven oft fehlt. Das Projekt gibt älteren Menschen eine Stimme und würdigt den Wert ihrer Lebenserfahrungen.

Viele dieser Geschichten wurden nie erzählt, weil sie zu alltäglich erschienen. Gerade diese Erzählungen machen jedoch verständlich, wie Geschichte im Alltag tatsächlich erlebt wurde.

Christine Lutgen Naturpark Öewersauer

Ein zentrales Merkmal von Deemols ist sein generationenübergreifender Ansatz. Die Interviews werden von älteren Freiwilligen geführt, die in Gesprächsführung und im Umgang mit audiovisuellen Werkzeugen geschult sind. Ihr Engagement setzt sich in der Bearbeitung, Transkription und Veröffentlichung fort und folgt einem Ansatz, der Zusammenarbeit und Wissensaustausch verbindet.

Das Projekt stützt sich zudem auf ein Netzwerk von Partnern aus verschiedenen Bereichen wie Forschung, audiovisuelle Produktion und soziokulturelle Arbeit. Sie tragen zur Strukturierung und Qualität der Inhalte bei und achten zugleich darauf, dass diese für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich bleiben.

Einige Momente haben die Bedeutung dieser Initiative besonders deutlich gemacht. In mehreren Fällen wurden Interviews kurz vor dem Tod der befragten Personen geführt. Mit Zustimmung der Angehörigen bewahrt, sind diese Aufzeichnungen heute teilweise die einzigen Zeugnisse dieser Lebenswege.

So groß die Bereitschaft zu erzählen ist, so anspruchsvoll war auch die Umsetzung. Die Begleitung der Freiwilligen, insbesondere in technischer Hinsicht, erforderte angepasste Methoden und verstärkte Schulungsangebote, um die Qualität und Nachhaltigkeit des Projekts sicherzustellen.

© Aurélie Costantini

Heute entwickelt sich „Deemols – Eis Geschicht(en)” weiter, mit dem Ziel, eine dauerhafte Ressource zu werden: eine Plattform für die Öffentlichkeit, ein Instrument für die Bildungsarbeit und eine Grundlage für historische Forschung. Das Projekt zeigt, wie sehr kollektive Erinnerung auch von fragilen, aber unverzichtbaren Stimmen getragen wird.

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